Welche Schuhe zum Anzug?

21.07.2011

Da hat manch einer Stunde um Stunde damit verbracht, sein Einstecktuch zu drapieren. Der maßgeschneiderte Anzug glänzt matt in edlem Anthrazit, das blütenweiße Hemd rahmt die edle Krawatte aus feinster Seide ein. Selbst die Socken und Manschettenknöpfe sind geschmackvoll gewählt, und der Krawattenknoten passt zum Kragen. Und doch, irgendetwas stimmt nicht. Ja richtig, die Schuhe.

Schaut man sich um, was zwischen so mancher Anzughose und Boden für eine Vielfalt zum Vorschein kommt, kann man sich durchaus wundern. Sehr beliebt ist etwa gerade unter Verkäufern im Telekommunikationssektor die Kombination aus Nadelstreifenanzug und Turnschuhen. Was wohl dynamisch und modern wirken soll, ist bei näherer Betrachtung nur noch peinlich. Denn nichts kann einen guten Eindruck so schnell zunichte machen wie ein Outfit, das einfach nicht passt.Wenn es denn wenigstens Edelsneakers aus schwarzem Leder wären. Zwar sind auch die stilistisch nicht ganz unumstritten, aber sie fallen wenigstens nicht auf. Und man muss ja den guten Herrschaften auch zugute halten, dass sie den ganzen Tag stehen. Da ist Bequemlichkeit natürlich eine Priorität.

Klassischerweise gehören zum Business-Anzug eigentlich schwarze Oxfords, also Lederschuhe mit geschlossener Schnürung, die vorne in einer Kappe mit geradem Abschluss enden. Auch der etwas weniger formelle Derby ist sicherlich keine schlechte Wahl. Natürlich wirken diese Schuhe nur dann wirklich professionell, wenn sie exzellent geputzt sind. Und doch: auch wenn die klassischen Regeln hier nach wie vor ihre Gültigkeit haben, kann es sich durchaus lohnen, ein wenig davon abzuweichen.

So werden braune Schuhe zu einem dunkelblauen Anzug immer gut aussehen, auch wenn die alte Regel „no brown in town“ gerade in konservativen Unternehmen noch uneingeschränkt gilt. Aber Sie wollen ja nicht nur professionell, sondern auch gut aussehen. Und außerhalb des Berufslebens sind Sie beim Anzug ohnehin sehr viel freier. Am besten passt dazu übrigens eine Krawatte, in Braun- oder Rottönen. Achten Sie nur darauf, dass Ihre Schuhe 1. farblich zu Ihrem Gürtel passen, und 2. Schnürschuhe sind. Mokassins oder Loafer sind zum Anzug zumindest hierzulande immer noch etwas gewöhnungsbedürftig. Das sieht übrigens auf der anderen Seite des Großen Teichs schon ganz anders aus. Dort sind schwarze Pennyloafer als Teil der Businessgarderobe mittlerweile voll akzeptiert.

Ein eleganter Brogue oder Blücher, natürlich rahmengenäht und liebevoll poliert, passt in jedem Fall. Ihren großen Auftritt haben diese Schuhe aber, wenn es nicht ganz so förmlich zugeht. Es gibt kaum etwas, was so elegant zum Sportsakko aussieht wie ein exquisiter Full Brogue in Cognacbraun.


Und was sagt der klassisch-konservative Dresscode über den Loafer? Gute Frage. Streng genommen ist er natürlich kein klassischer Schuh. Dennoch macht er insbesondere zu Chinos oder Flanellhosen eine sehr gute Figur und ist auch elegant genug, um ihn ohne Kopfschmerzen zum Navy-Blazer zu tragen. Also ein perfekter Freizeit-Schuh. Aber wenn Sie in Ihrer Freizeit Turnschuhe bevorzugen, kann Ihnen das auch keiner verübeln.

Schwierig wird es nur, wenn der Anlass nach extremer Förmlichkeit verlangt. Was trägt der Stilprofi zu Frack und Smoking? Nun, die einfache Antwort ist: Lackschuhe mit geschlossener Schnürung oder einen klassischen schwarzen Oxford. Wer es gerne noch klassischer und eleganter mag, greift zu Opernpumps. Die sind im Prinzip Lackschuhe im Slipper-Schnitt mit einem leicht erhöhten Absatz, oft mit einer dezenten Seiden-oder Satinschleife verziert. Die fallen auf, zugegeben. Sie sind auch schon lange nicht mehr in jedem Schuhladen zu bekommen. Aber sie haben Stil.”